Klimaresiliente Kommunen: Mit digitalen Daten besser planen

Wie können Kommunen digitale Daten nutzen, um sich besser auf Hitze, Starkregen und andere Folgen des Klimawandels vorzubereiten? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 10. Netzwerktreffen Smart-Region Brandenburg. Unter dem Motto „Kommunen unter Druck – Smarte Stadtentwicklung für klimaresiliente Zukunftsfähigkeit“ fand es am 10. September 2026 im Rahmen des 2. Brandenburger Digitaltags meets Wildauer Verwaltungstag an der Technischen Hochschule Wildau statt.
Kommunen müssen auf den Klimawandel reagieren und zugleich ihre Verwaltung digital weiterentwickeln. Dafür benötigen sie verlässliche Daten, geeignete Werkzeuge und Lösungen, die zu ihren personellen und finanziellen Möglichkeiten passen. Das Netzwerktreffen griff diese Herausforderungen in zwei Sessions auf: Im Mittelpunkt standen digitale Zwillinge und digitale Anwendungen für die Klimaanpassung.
Darum ging es beim Netzwerktreffen:
- Digitale Zwillinge mit konkreten Anwendungsfällen starten
- Klima- und Geodaten besser zugänglich machen
- Werkzeuge gemeinsam mit den Kommunen weiterentwickeln
- Bestehende Lösungen nachnutzen, statt parallele Systeme aufzubauen
Dr. Georg Dybe vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung eröffnete die Sessions und ordnete die Themen aus Sicht der Stadtentwicklung ein. Besonders unterstrich er die Relevanz zum Austausch über Fach- und Verwaltungsgrenzen hinweg.


Genau dafür bot das Netzwerktreffen Raum. Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen kamen mit Fachleuten aus Landesministerien, Landeseinrichtungen, Wirtschaftsförderung und Wissenschaft ins Gespräch. Gemeinsam diskutierten sie, welche Daten und digitalen Anwendungen Kommunen tatsächlich benötigen und wie sich bestehende Angebote praxistauglich weiterentwickeln lassen.
Denn Klimaanpassung, Stadtentwicklung und Digitalisierung greifen unmittelbar ineinander. Gemeinsame Datengrundlagen erleichtern abgestimmte Entscheidungen, während die Erfahrungen aus den Kommunen zeigen, was sich im Arbeitsalltag bewährt. Im Zusammenspiel von Verwaltung, Wissenschaft und Praxis können so Lösungen entstehen, die nicht nur technisch überzeugen, sondern vor Ort wirklich nutzbar sind.
Digitale Zwillinge: Mit einer konkreten Aufgabe beginnen
Die erste Session zeigte, welche Möglichkeiten urbane digitale Zwillinge bieten. Sie bilden reale Strukturen und Entwicklungen digital ab, verknüpfen unterschiedliche Daten und ermöglichen darauf aufbauend Analysen, Prognosen und Simulationen. So können Kommunen beispielsweise Planungsvarianten vergleichen oder mögliche Folgen einer Entscheidung frühzeitig erkennen.
Dr. Sarah Brandt vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering erläuterte, worauf es bei der Entwicklung urbaner digitaler Zwillinge ankommt.


Damit ein digitaler Zwilling schrittweise wachsen kann, müssen die verwendeten Daten aktuell, verständlich und miteinander verknüpfbar sein. Offene Standards und Schnittstellen helfen dabei, neue Datensilos zu vermeiden. Ebenso wichtig sind klare Zuständigkeiten, eine gesicherte Finanzierung und ein Konzept für den dauerhaften Betrieb.

Gisela Fabian vom Ministerium des Innern und für Kommunales stellte gemeinsam mit Dr. Inga Bergmann-Wolf von der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg den geplanten Digitalen Geobasiszwilling Brandenburg vor. Er soll amtliche Geodaten landesweit bereitstellen und als Grundlage für weitere Fachanwendungen dienen. Die gemeinsame Datengrundlage soll mit Fach- und Sensordaten verknüpft werden können, um räumliche Entwicklungen zu visualisieren, zu analysieren und mögliche Szenarien zu untersuchen. Kommunen könnten damit etwa eigene Planungsdaten einbinden, Handlungsoptionen für die Klimaanpassung besser vergleichen und vorhandene Geodaten und Werkzeuge nutzen, ohne die technische Grundlage jeweils selbst aufbauen zu müssen.
Anschließend gab Clemens List von der Landeshauptstadt Potsdam Einblicke in das Projekt PotsTwin. Das Praxisbeispiel zeigte, welche technischen und organisatorischen Fragen Kommunen beim Aufbau eines digitalen Zwillings klären müssen. Dazu gehören die Auswahl geeigneter Anwendungsfälle, die Qualität und Verfügbarkeit der Daten sowie die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen.
Was Kommunen daraus mitnehmen können
- Mit einer konkreten Aufgabe beginnen
- Vorhandene Daten und Lösungen nachnutzen
- Fachbereiche frühzeitig einbinden
- Offene Standards und Schnittstellen vorsehen
- Betrieb, Zuständigkeiten und Finanzierung von Anfang an klären
Wenn Kommunen vorhandene Daten und Werkzeuge gemeinsam nutzen, können sie auf bestehenden Lösungen aufbauen, anstatt ähnliche Systeme mehrfach zu entwickeln.
Klimaanpassung: Besondere Relevanz für Brandenburg
Die zweite Session widmete sich der Frage, wie digitale Daten und Anwendungen Kommunen bei der Klimaanpassung unterstützen können. Klimaanpassung setzt voraus, dass Kommunen die örtlichen Folgen von Hitze, Trockenheit und Starkregen erkennen und bei ihren Planungen berücksichtigen. Gerade für Brandenburg zeigt das Schaubild, dass die Belastung durch diese Klimasignale je nach Region und betrachtetem Zeitraum unterschiedlich ausfallen kann. Solche räumlichen Hinweise helfen, Risiken vor Ort genauer zu prüfen und Maßnahmen wie Verschattung, Begrünung und Wasserrückhalt gezielt zu planen.
Drei Werkzeuge im Praxischeck
Wie stark belastet Hitze einzelne Stadtgebiete? Wo kann Regenwasser versickern? Welche Flächen eignen sich für mehr Grün oder zusätzlichen Wasserrückhalt? Digitale Anwendungen können solche Fragen räumlich sichtbar machen und verschiedene Handlungsoptionen vergleichbar darstellen.

Stadtklimadashboard
Dr. Tobias Krüger vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung präsentierte das Stadtklimadashboard. Es bietet bundesweit verfügbare Indikatoren zur Klimaanpassung, darunter Informationen zur Erreichbarkeit von Grünflächen und zu versickerungsfähigen Flächen.
Nutzen für Kommunen: Das Dashboard ermöglicht einen schnellen Überblick über ausgewählte klimarelevante Merkmale und kann als Einstieg in vertiefende Analysen dienen.

Klima-Viewer Brandenburg
Rebekka Eichstädt vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa stellte den Klima-Viewer Brandenburg vor. Die Anwendung bereitet Klima- und Klimafolgendaten für das Land räumlich auf.
Nutzen für Kommunen: Der KlimaViewer unterstützt dabei, lokale Klimarisiken einzuschätzen und eine gemeinsame Informationsgrundlage für weitere Planungen zu schaffen.
Im Anschluss stellte sich die Energie- und Klimaagentur Brandenburg mit ihrem neuen Team Klima vor. Es unterstützt Kommunen bei Fragen zu Klimaschutz und Klimaanpassung. Zudem soll das Energieportal zu einem Energie- und Klimaportal ausgebaut werden, in das auch Klimadaten für Brandenburg eingebunden werden.

Der Blau-Grüne Infrastrukturplaner (BGI-Planer)
Alexandra Heitplatz von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zeigte den BGI-Planer, der im Projekt SmartWater entwickelt wurde. Das Werkzeug unterstützt die Planung blau-grüner Infrastruktur. Dazu zählen unter anderem Bäume, Grünflächen, begrünte Gebäude, Mulden und Wasserspeicher.
Solche Maßnahmen können Regenwasser zurückhalten, die Verdunstung fördern und ihre Umgebung kühlen. Nutzen für Kommunen: Das Berliner Beispiel zeigt, wie sich Maßnahmen und ihre Wirkungen für ein Gebiet untersuchen lassen.
Vom Vortrag zum Praxistest
Nach den fachlichen Impulsen konnten die Teilnehmenden die Anwendungen selbst erproben. In Arbeitsrunden prüften sie, bei welchen kommunalen Aufgaben die Werkzeuge unterstützen können. Dabei diskutierten sie auch, welche Daten, Schnittstellen und Funktionen noch fehlen

Diese Rückmeldungen sind besonders wertvoll. Denn ein digitales Werkzeug entfaltet seinen Nutzen erst, wenn es sich in bestehende Arbeitsabläufe einfügt und konkrete Entscheidungen unterstützt. Die Erfahrungen kommunaler Anwenderinnen und Anwender können deshalb unmittelbar in die Weiterentwicklung der Angebote einfließen.
Zusammenarbeit als Grundlage
Das 10. Netzwerktreffen zeigte: Klimaresiliente Stadtentwicklung braucht nicht nur digitale Werkzeuge, sondern vor allem Zusammenarbeit. Land, Kommunen, Wissenschaft und weitere Fachakteure bringen unterschiedliche Daten, Kenntnisse und Handlungsmöglichkeiten ein. Im gemeinsamen Austausch können daraus Lösungen entstehen, die sich am kommunalen Alltag orientieren.
Das Netzwerk Smart-Region Brandenburg schafft dafür einen verlässlichen Rahmen. Es macht vorhandene Ansätze sichtbar, fördert ihre Nachnutzung und bringt die Beteiligten frühzeitig zusammen. Damit unterstützen das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung und die DigitalAgentur Brandenburg mit dem Netzwerk Smart-Region Brandenburg den öffentlichen Sektor dabei, den digitalen Wandel nachhaltig und gemeinwohlorientiert zu gestalten.
