Digitalisierung in Brandenburgs Kommunen: Was jetzt zählt
Vom digitalen Einzelprojekt zur verlässlichen Struktur
Brandenburgs Kommunen sind digitaler geworden. Online-Terminvergaben, Mängelmelder und Geodatenportale gehören vielerorts bereits zum Alltag. Auch Künstliche Intelligenz rückt in den Blick. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Kommunen digitalisieren. Es geht darum, wie sie aus einzelnen Anwendungen eine langfristige Entwicklung machen.
Orientierung dafür bietet die Kommunalumfrage Smart City / Smart Region 2026 des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL). Anfang 2026 nahmen 51 Städte, Gemeinden, Ämter und Landkreise teil. Die Ergebnisse zeigen, wo Brandenburgs Kommunen stehen und was sie für den nächsten Schritt brauchen.
Digitale Lösungen schaffen bereits konkreten Nutzen
Rund 90 Prozent der befragten Kommunen beschäftigen sich zumindest teilweise aktiv mit Digitalisierung. Auch kleinere Kommunen setzen sich heute stärker mit digitalen Lösungen auseinander als noch bei der Befragung 2019.
Besonders verbreitet sind Anwendungen, deren Nutzen unmittelbar erkennbar ist. Sie vereinfachen Abläufe, sparen Wege oder machen kommunale Angebote leichter erreichbar. Dazu gehören unter anderem:
- Online-Terminvergaben und digitale Verwaltungsleistungen,
- Mängelmelder und Geodatenportale,
- elektronische Rechnungen,
- digitale Ausstattungen an Schulen,
- Social-Media-Angebote.
Dieses Vorgehen ist nachvollziehbar: Kommunen beginnen häufig mit einem konkreten Problem und suchen dafür eine passende Lösung. So entstehen sichtbare Verbesserungen. Gleichzeitig wächst mit jeder neuen Anwendung die Aufgabe, Digitalisierung dauerhaft zu organisieren.
Jetzt kommt es auf die Strukturen an
Genau hier zeigt die Umfrage eine zentrale Entwicklung. Mehr als die Hälfte der befragten Kommunen verfügt inzwischen über Digitalisierungs- oder Smart-City-Beauftragte. Das Thema erhält damit häufiger eine feste Zuständigkeit.
Wo diese Stellen angesiedelt sind, unterscheidet sich. Manche arbeiten direkt für die Verwaltungsspitze. Andere gehören zur IT, zur Organisationsentwicklung oder zur Wirtschaftsförderung. Einen einheitlichen Weg braucht es nicht. Wichtig sind ein klarer Auftrag, verlässliche Entscheidungswege und die Zusammenarbeit über Fachbereiche hinweg.
Denn Digitalisierung ist nicht allein eine technische Aufgabe. Neue Anwendungen verändern Prozesse, Zuständigkeiten und Arbeitsweisen. Sie benötigen Menschen, die sie auswählen, einführen und dauerhaft betreiben.
Das wird besonders beim Einsatz Künstlicher Intelligenz deutlich. Viele Kommunen stehen hier noch am Anfang. Zugleich ist das Interesse groß. Geplant sind beispielsweise Chatbots, interne Assistenzsysteme und KI-Unterstützung für Verwaltungsprozesse. Hinzu kommen datenbasierte Anwendungen für Monitoring, Prognosen oder Katastrophenvorsorge.
Die Möglichkeiten sind vielfältig. Umso wichtiger ist eine klare Reihenfolge: Erst kommt das kommunale Problem, dann die geeignete technische Lösung.
Drei Voraussetzungen für den nächsten Schritt
Aus den Ergebnissen lassen sich drei zentrale Handlungsbedarfe ableiten:
- Handlungsfähigkeit sichern: Kommunen brauchen ausreichend Personal, Zeit und finanzielle Spielräume. Eine Anwendung schafft nur dann dauerhaft Nutzen, wenn sie auch betrieben und weiterentwickelt werden kann.
- Orientierung erleichtern: Gefragt sind verständliches Wissen, rechtliche Sicherheit und konkrete Praxisbeispiele. Besonders hilfreich sind Informationen zu Aufwand, Kosten und Voraussetzungen einer Lösung.
- Zusammenarbeit stärken: Nicht jede Kommune muss dieselben Fragen allein lösen. Regelmäßiger und praxisnaher Austausch erleichtert es, Erfahrungen zu übertragen und bestehende Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln.
Gerade beim Austausch besteht noch Potenzial. Er findet vielerorts bereits statt, häufig jedoch nur sporadisch. Kommunen wünschen sich Möglichkeiten, eigene Fragestellungen gezielt und in kleineren Gruppen zu diskutieren.
Was folgt daraus für das Netzwerk?
Für die DigitalAgentur Brandenburg und das Netzwerk Smart-Region Brandenburg geben die Ergebnisse eine klare Richtung vor. Es geht nicht allein darum, weitere digitale Beispiele vorzustellen. Kommunen brauchen Unterstützung dabei, passende Lösungen auszuwählen und in ihre eigenen Strukturen zu übertragen.
Das Netzwerk setzt deshalb auf:
- konkrete Erfahrungen aus der kommunalen Praxis,
- mehr Austausch zu eigenen Fragestellungen,
- verständliche Informationen zu Voraussetzungen und Aufwand,
- die Vernetzung von Kommunen mit ähnlichen Herausforderungen,
- die gemeinsame Weiterentwicklung und Nachnutzung bestehender Lösungen.
Die Umfrage zeigt: Viele Grundlagen sind bereits gelegt. Der nächste Schritt besteht darin, aus einzelnen digitalen Aktivitäten eine verlässliche kommunale Entwicklung zu machen. Dafür braucht es klare Verantwortung, passende Ressourcen und einen Austausch, der nah an der Praxis bleibt.
Wer tiefer in die Ergebnisse einsteigen möchte, findet alle Umfragewerte in der Präsentation. In der Aufzeichnung des Netzwerk-Cafés erläutert das MIL die Ergebnisse und ihre Hintergründe.