

Lernen im Projekt Sozialplattform - Was passiert, wenn neue Arbeitsweisen auf Realität treffen
Außerhalb der Komfortzone: Wie das Projektteam der Sozialplattform gemeinsam arbeitsfähig wurde
Die Sozialplattform ist eines der zentralen Digitalprojekte des Landes Brandenburg. Sie bündelt soziale Leistungen, vereinfacht Abläufe und unterstützt Kommunen im Alltag. Damit das gelingt, arbeiten mehrere Akteure in Brandenburg eng zusammen.
Beteiligt sind das Ministerium für Gesundheit und Soziales (MGS), das Ministerium der Justiz und für Digitalisierung (MdJD), das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (MWAEK), das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL), das Ministerium des Innern und für Kommunales (MIK) sowie das Kommunale Anbindungszentrum (KAZ/ZITT-BB). Die DigitalAgentur Brandenburg (DABB) übernimmt dabei die Projektleitung und koordiniert die Zusammenarbeit.
Dieses Setup bringt viel fachliche Expertise zusammen.
Es bringt aber auch unterschiedliche Logiken, Arbeitskulturen und Erwartungshaltungen an einen Tisch.
Neue Arbeitsweisen treffen auf laufende Projektarbeit
Das Projektteam der Sozialplattform arbeitet nach dem neuen Vorgehensmodell des Landes Brandenburg, das stärker auf Zusammenarbeit, Iteration und Lernen im Projekt setzt.
Dieses Vorgehen wird nicht theoretisch geplant, sondern ganz bewusst in laufenden Projekten erprobt.
Das bedeutete konkret:
Während Leistungen priorisiert, Kommunen begleitet und Entscheidungen vorbereitet wurden, mussten sich Arbeitsweisen, Rollen und Abstimmungsformate erst entwickeln.
Das Projektteam bewegte sich damit klar außerhalb eingespielter Routinen – und außerhalb der eigenen Komfortzone.
Wo es konkret schwierig wurde
Im Projektalltag zeigten sich mehrere sehr greifbare Herausforderungen.
Arbeitsweisen und Verantwortlichkeiten mussten sich in dem neu zusammengesetzten, ministerienübergreifenden Team erst einspielen, was an einigen Stellen zu Unsicherheiten führt. Entscheidungen verzögerten sich, weil nicht immer klar war, wer sie verbindlich treffen kann oder muss. Gleichzeitig standen alle beteiligten Ministerien unter erheblichem Ressourcendruck. Viele Fachabteilungen arbeiten parallel an mehreren Digital- und Fachprojekten, oft mit begrenzten personellen Kapazitäten.
Hinzu kam ein hoher externer Erwartungsdruck. Die Sozialplattform steht politisch und öffentlich im Fokus. Impulse und öffentliche Kommunikation, sorgten für zusätzliches Tempo.
Ein weiterer Punkt war das Thema Vertrauen. In einem neu zusammengesetzten, interministeriellen Team braucht es Zeit, bis Unsicherheiten, Überlastung oder auch Kritik offen angesprochen werden können.
Diese Offenheit musste sich erst entwickeln.
Erschwerend kam hinzu, dass viele Hemmnisse außerhalb des direkten Einflussbereichs des Projektteams lagen. Ungeklärte Strukturen, offene Grundsatzfragen oder landesweite Abhängigkeiten konnten benannt, aber nicht kurzfristig aufgelöst werden.
Bewusst innehalten: die Retrospektive
Vor diesem Hintergrund entschied sich das Projektteam bewusst dafür, eine Retrospektive durchzuführen, um nicht weiter im laufenden Betrieb über Schwierigkeiten hinwegzugehen, sondern sich gezielt Zeit für Reflexion zu nehmen.
Eine Retrospektive ist ein fest etabliertes Format aus der agilen Projektarbeit, bei dem das Team gemeinsam auf die Zusammenarbeit blickt, offen über Hindernisse spricht und versucht, aus den gemachten Erfahrungen konkrete Verbesserungen abzuleiten, ohne dabei Schuldige zu suchen.
Eine gut verständliche Einführung in Ablauf und Prinzipien von Retrospektiven findet Sie am Ende des Artikels
Schmerzpunkte benennen und gemeinsam tragen
In der Retrospektive wurden die bestehenden Schmerzpunkte offen angesprochen, darunter Entscheidungsstaus, Überlastung, unklare Erwartungen sowie der Umgang mit strukturellen Problemen, auf die das Team selbst nur begrenzten Einfluss hatte.
Allen Beteiligten war klar, dass sich nicht alle Probleme unmittelbar lösen lassen würden, dennoch entstand durch das offene Gespräch ein gemeinsames Verständnis für die Situation der jeweils anderen und eine klare Haltung, dass das Projekt nur dann erfolgreich sein kann, wenn es gemeinsam getragen wird. Es formte sich innerhalb des Teams eine klare Haltung: Wir sitzen gemeinsam im Boot und wollen das Projekt zum Erfolg bringen.
Spürbare Veränderungen in der Zusammenarbeit
Die Wirkung der Retrospektive zeigte sich relativ schnell im Arbeitsalltag, da Arbeitstreffen offener wurden, Probleme früher benannt und Risiken transparenter gemacht wurden, wodurch Entscheidungen zielgerichteter vorbereitet und Eskalationen klarer adressiert werden konnten.
Diese Veränderungen entsprachen genau dem Anspruch des neuen Vorgehensmodells des Landes Brandenburg, das ausdrücklich vorsieht, Arbeitsweisen auf Basis von Erfahrungen weiterzuentwickeln und Projekte nicht an einem einmal festgelegten Plan festzuhalten.
FormErgebnisse der Projektarbeit und Retro - Vom Pilotprojekt zum Flächen-Roll-out
Ein zentraler Meilenstein wurde inzwischen erreicht, denn die Sozialplattform ist 2025 erfolgreich pilotiert worden, sodass auf dieser Grundlage 2026 der Flächen-Roll-out gestartet ist, bei dem alle zehn verfügbaren Leistungen landesweit ausgerollt werden.
Besonders positiv ist dabei die gute Annahme durch die Brandenburger Kommunen, die zeigt, dass sich die intensive Zusammenarbeit, das gemeinsame Lernen und das bewusste Aushalten von Unsicherheiten ausgezahlt haben.
Wir sind froh, die Sozialplattform 2026 erfolgreich weiterentwickeln zu können und gemeinsam mit den Kommunen den nächsten Schritt in Richtung Digitalisierung zu gehen.
Was wir für die Zukunft mitnehmen
Die Erfahrungen aus der Sozialplattform machen deutlich, dass neue Arbeitsweisen Zeit, Vertrauen und Räume für Reflexion brauchen und dass funktionierende Zusammenarbeit nicht automatisch entsteht, sondern aktiv gestaltet werden muss. Funktionierende Zusammenarbeit ist kein Selbstläufer.
Genau diese Erkenntnisse fließen nun in weitere Projekte und in die Begleitung der Kommunen ein, sodass Schritt für Schritt ein Vorgehen entsteht, das nicht perfekt ist, aber tragfähig und realistisch für den öffentlichen Sektor in Brandenburg.
Genau das braucht der digitale Wandel im öffentlichen Sektor in Brandenburg.
Weiterführende Informationen
- Sozialplattform Brandenburg https://sozialplattform.de/
- Retrospektiven in der agilen Arbeit