Stand der Mobilfunkerfassung Land Brandenburg

Leistungsfähige Mobilfunknetze werden für Unternehmen, Gewerbetreibende und nicht zuletzt für alle Bürgerinnen und Bürger immer wichtiger. Wie es um die Mobilfunkversorgung vor Ort bestellt ist, ermittelte die DigitalAgentur Brandenburg (#DABB) in einem für Deutschland bislang einmaligen Projekt: Als erstes Bundesland führte Brandenburg eine flächendeckende Analyse der real vorhandenen Mobilfunkversorgung im gesamten Straßennetz durch. Hierfür war ab November 2020 eine ganze Flotte an Messfahrzeugen des Digitalisierungsexperten atene KOM im Auftrag der DigitalAgentur Brandenburg auf den Straßen des größten ostdeutschen Bundeslandes unterwegs. Mit hochsensibler Messtechnik wurde die Mobilfunkqualität aus Anwendersicht auf allen Autobahnen, Bundes-, Land-, Kreis- und Gemeindestraßen erfasst.

Herausgekommen sind knapp 24,7 Mio. Datensätze, die derzeit ausgewertet werden. Diese Erkenntnisse ermöglichen uns Rückschlüsse über Potenziale und Herausforderungen in der digitalen Daseinsvorsorge Brandenburgs, sodass aktuelle und künftige Digitalisierungsanwendungen in mobilen Netzen wirksam geplant werden können. Ebenso schaffen wir hierdurch eine Grundlage, um mit den Telekommunikationsanbietern, Fachverbänden und den Interessenvertretungen von Verbrauchern in einen konstruktiven Dialog zu gelangen. Auf Basis sodann valider geplanter Digitalisierungsanwendungen soll für Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und Dritte eine Verbesserung der Standortqualität in Brandenburg geschaffen werden.

Erste Ergebnisse

Es wurden alle öffentlichen 38.363 Straßenkilometer des Landes mit insgesamt 10 Fahrzeugen befahren. Alle Fahrzeuge waren mit identischen Messaufbauten versehen und bestanden im Wesentlichen aus kalibrierten Mobilfunkscannern und Smartphones, welche je Telekommunikationsanbieter in 1,5m und 3m Höhe den Empfang gemessen haben. Die Daten wurden zentral erfasst sowie live den Analysten im Messfahrzeug auf einem Notebook angezeigt, um eine laufende Überprüfung der Messung zu gewährleisten.

Das Projekt erlaubt eine Analyse aus verschiedenen Anwendungsperspektiven und zeigt beispielsweise auf allen Straßenkilometern eine Ist-Aufnahme der Möglichkeiten der Mobilfunknutzung, welche sich einem Mobilfunknutzer bieten. Die Daten der Erhebung ergeben beispielsweise ein sehr differenziertes Bild der LTE-Abdeckung in Brandenburg.

Ein positives Ergebnis ist, dass auf rund 97% der Straßenkilometer in Brandenburg technisches LTE durch mindestens einen der drei Telekommunikationsunternehmen zur Verfügung steht. Auf Autobahnen wird sogar eine Abdeckung von 99,8% erreicht.

Vor allem die steigende Datennutzung und die qualitativen Anforderungen an Geschwindigkeit und Bandbreite im Mobilfunknetz machen jedoch einen Ausbau der LTE- und 5G-Netze in naher Zukunft dringend notwendig. Erste Anhaltspunkte liefert die Differenzierung der Dämpfungswerte im Mobilfunknetz, die einen Rückschluss auf höhere Datendurchsatzraten als bei minimal technischem LTE ermöglichen.

Darüber hinaus bietet die Befahrung die Möglichkeit einen Realabgleich der LTE-Abdeckungen in den Kommunen durchzuführen. Hier kann Anbieterbezogen eine LTE-Verfügbarkeit geprüft werden. Dies kann einen Einfluss auf die Projekte vor Ort haben, bietet aber auch die Möglichkeit diese Ergebnisse gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen zu analysieren. Dies ist ein weiter Schritt zur Planung von Anwendungen in der digitalen Daseinsvorsorge Brandenburgs.

Szenario: Prüfung Schulstandorte

Ein weiteres Szenario zur Nutzung der erhobenen Daten, stellt die Internetversorgung von Schulen dar. Hierzu wurden im Rahmen der Befahrung die LTE Verfügbarkeiten an Schulen dokumentiert.

In diesem Szenario wurde analysiert, welche Schulen noch keinen Glasfaseranschluss oder nur einen unzureichenden DSL-Anschluss besitzen und potenziell von einer vorübergehenden oder zusätzlichen Internetversorgung per LTE profitieren würden. Dieses Potenzial besteht aktuell bei allen hellgrün gekennzeichneten Schulen.

Eine Detailüberprüfung des FTTH Ausbauzeitpunkts im Rahmen der aktuellen Förderungen sowie des derzeit verfügbaren Internetanschlusses wird jene Schulen identifizieren, welche von einer Internetversorgung per LTE bzw. bei voranschreitendem Ausbau sogar duch 5G profitieren würde, um die Zeit bis zu einem FTTH Anschluss zu überbrücken. Für eine Auswertung und Nutzung dieser Daten, wird aktuell die Zusammenarbeit mit den Breitbandverantwortlichen der Landkreise und kreisfreien Städte (BBVs) gesucht.

Szenario: 1.000 Leistungsmessungen an besonderen Orten

Zusätzlich zu den Messungen des Empfangs auf allen Straßenkilometern Brandenburgs, wurden über 1.000 Leistungsmessungen an besonderen Orten Brandenburgs bzw. Gebieten mit besonderen Ansprüchen durchgeführt. Diese setzten sich aus Ortskernen, Industrie- und Gewerbegebieten, Gebiete in der Nähe von Bildungseinrichtungen sowie für den Tourismus relevante Gebiete zusammen. Hier wurde jeweils im statischen Zustand eine Messung der Paketverlustrate, der Paketfehlerrate, der Down- und Uplink, die Paketlaufzeit und der Ping gemessen.

Die Ergebnisse dieser Messungen können für Unternehmen im Dialog mit den Kommunen und Wirtschaftsförderungen helfen, die Standortplanung zu präzisieren oder einen Ausbaubedarf als wichtigen Standortfaktor zu adressieren.

Positive Entwicklung, Ausbau konsequent vorantreiben

Im Zwischenfazit ist festzustellen, dass die Messungen einen positiven Eindruck der Ausbaugeschwindigkeit aufgezeigt haben. Um in Brandenburg ein vollständiges Bild zum Ausbaustand zu geben wären weitere Messungen auf Schienenwegen und Wasserstraßen notwendig sowie die Kombination dieser Daten mit weiteren Merkmalen der Netzinfrastruktur. Diese Analysen würden das Gesamtbild für den Wirtschaftsstandort Brandenburg weiter schärfen und eine Gegenüberstellung mit den Regulierungsauflagen ermöglichen. Deshalb stellen wir unsere Daten den Landes- und Bundesbehörden zur Verfügung - z.B. für die Analyse von Fördervorhaben zur Schließung sogenannter Weißer Flecken im Mobilfunknetz.

 

Die Analysen der DigitalAgentur Brandenburg haben das Ziel, aus der Sicht von Anwender:innen die Verfügbarkeit der Mobilfunknetze zu beurteilen. Dies dient der Planung von Digitalprojekten und führt zu einem konstruktiven Austausch mit den Telekommunikationsunternehmen. Somit unterstützen wir den Dialog zum Mobilfunkausbau in Brandenburg und schaffen einen Mehrwert im Rahmen der digitalen Daseinsvorsorge.

Die Präsentation der DigitalAgentur Brandenburg aus der 16. Landtagssitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Energie können Sie hier sehen:

 

Kontakt

Alexander Dinkler

Alumnus | Projektleiter

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